Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta hat ein historisches und dramatisches Ausmaß erreicht. Nach dem massiven Ansturm von mehr als 20.000 Menschen, die schwimmend das spanische Territorium erreichten, hat die Zentralregierung in Madrid die Mobilisierung der Armee angeordnet. Die katastrophale Lage an den Außengrenzen forderte bereits mindestens 14 Todesopfer und löste einen Dominoeffekt auf Melilla aus.
Über 20.000 Migranten erreichen die Exklave schwimmend und durchbrechen die Polizeiketten am Tarajal-Strand
Am Donnerstag eskalierte die Situation an den Grenzanlagen völlig, als Tausende Menschen zeitgleich versuchten, den Grenzzaun am strategischen Kontrollpunkt El Tarajal schwimmend zu umgehen. Nach Berichten von Sicherheitskräften vor Ort durchbrachen große Gruppen aufgebrachter Migranten am Nachmittag die Polizeiketten der Nationalpolizei und der Guardia Civil auf der spanischen Seite.
Eigentlich sollten die angekommenen Personen kontrolliert in das ohnehin überfüllte temporäre Aufnahmezentrum (CETI) geleitet werden, doch die schiere Masse der Menschen überrannte die Absperrungen vollständig.
Die Beamten vor Ort mussten mit Schutzausrüstung, Helmen und Antidisturbios-Material verstärkt werden, um ein weiteres Vordringen in das Stadtgebiet zu verhindern. Aufgrund des sogenannten Ansteckungseffekts sahen sich die Behörden in der Schwesterstadt Melilla gezwungen, die dortige Grenze zu Marokko präventiv komplett zu schließen, um einen ähnlichen Massenansturm zu verhindern.
Madrid setzt trotz Armeeeinsatz auf direkte Rückführungen nach Marokko
Trotz des Einsatzes des Militärs zur Grenzsicherung betont die Regierung von Premierminister Pedro Sánchez eine angeblich „exzellente Kooperation“ mit den marokkanischen Behörden. In einer kurzfristigen Vereinbarung verständigten sich Madrid und Rabat darauf, rechtliche und logistische Maßnahmen umzusetzen, um alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ direkt wieder nach Marokko abzuschieben.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska reist persönlich nach Ceuta, um die Direktrückweisungen vor Ort zu koordinieren. Beide Staaten machen kriminelle Schlepperbanden für die Eskalation verantwortlich. Diese hätten ein jüngstes Urteil des Obersten Gerichtshofs im Bezug auf Abschiebungen von schwimmend angekommenen Migranten instrumentalisiert.
Das Außenministerium wies zudem Spekulationen zurück, wonach Marokko die Grenzen als diplomatische Vergeltung für den jüngsten Staatsbesuch von Pedro Sánchez im rivalisierenden Algerien absichtlich geöffnet habe.