Die Urlaubsstimmung auf den Kanaren wird in diesem Jahr von einer traurigen Statistik überschattet. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 ist die Zahl der tödlichen Badeunfälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent in die Höhe geschossen. Bis Ende Juli ertranken bereits 39 Menschen im Archipel. Der Juli erwies sich dabei mit acht Toten und insgesamt 32 Betroffenen als der bisher schlimmste Monat des Jahres.
Die Zahlen stammen vom Verein zur Verhütung von Wasserunfällen „Kanarische Inseln, 1500 km Küste“. Insgesamt registrierten die Helfer seit Januar 129 Unfälle im Wasser – neben den Toten gab es zahlreiche Schwer- und Leichtverletzte.
Ignorierte Warnungen und tückische Strömungen
Die Daten legen den Finger in eine offene Wunde. Hauptursache für die Tragödien ist nach wie vor der Leichtsinn der Badegäste. Mehr als die Hälfte der Todesopfer (51 Prozent) ging ganz bewusst im Meer baden, obwohl die Regierung der Kanaren wegen schlechten Wetters und extremen Wellengangs ausdrückliche Vorwarnungen oder Alarmstufen ausgerufen hatte.
Besonders dramatisch ist die Bilanz bei den Jüngsten. Fünf Kinder und Jugendliche verloren in diesem Jahr bereits ihr Leben. Zwei dieser Fälle ereigneten sich im Juli und lösten Bestürzung aus. In Puerto del Carmen auf Lanzarote ertrank ein vierjähriges Mädchen aus Frankreich im Pool einer Ferienunterkunft. Auf Gran Canaria wurde die 12-jährige Fabiola am Strand von La Laja von einer starken Rückströmung erfasst und in den Atlantik gerissen – jede Hilfe kam zu spät. Insgesamt waren bereits 19 Minderjährige von Wasserunfällen betroffen.
Verschiebung in der Statistik: Mehr Frauen betroffen
Ein Blick auf die demografischen Daten zeigt eine ungewöhnliche Veränderung. Zwar stellen Männer mit 67 Prozent (26 Fälle) nach wie vor die Mehrheit der Todesopfer, doch der Anteil der Frauen ist drastisch auf 33 Prozent (13 Fälle) gestiegen. Damit bricht das laufende Jahr mit dem historischen Trend, bei dem der Männeranteil üblicherweise bei rund 85 Prozent lag. Zudem zeigt sich, dass vor allem Urlauber gefährdet sind. Unter den identifizierten Opfern befanden sich 17 Ausländer aus zehn verschiedenen Nationen, darunter drei Deutsche und zwei Briten.
Die gefährlichsten Orte und Uhrzeiten
Wer auf den Inseln Urlaub macht, sollte vor allem an den Stränden aufpassen, denn dort spielen sich 63 Prozent aller Unfälle ab. Häfen und Küstenzonen folgen mit 24 Prozent, während Schwimmbäder und natürliche Meerwasserbecken seltener zu Schauplätzen von Tragödien werden.
Auch regional gibt es klare Schwerpunkte:
- Teneriffa verzeichnet mit 15 Todesfällen die traurige Spitze.
- Fuerteventura folgt mit 9 Opfern.
- Gran Canaria registrierte bislang 6 Badetote.
- Lanzarote und El Hierro melden jeweils 3, La Gomera 2 und La Palma einen Todesfall.
Zudem spielt die Tageszeit eine entscheidende Rolle. Die meisten tödlichen Unfälle – nämlich 56 Prozent – ereigneten sich am Nachmittag. Die Retter mahnen daher dringend dazu an, Warnungen und rote Flaggen niemals zu ignorieren, Kinder keine Sekunde aus den Augen zu lassen und den Atlantik gerade in den späteren Stunden des Tages nicht zu unterschätzen.
