Katzenkolonien auf den Kanaren stellen eine massive Bedrohung für die heimische Tierwelt dar – selbst wenn sie von Menschen regelmäßig gefüttert werden. Eine aktuelle Studie der Universität La Laguna (ULL) und des CSIC zeigt nun eine biologische Besonderheit: Der anhaltende Jagddruck sorgt dafür, dass die betroffenen Echsenarten immer kleiner werden.
Wissenschaftliche Untersuchung der ULL zeigt extreme Auswirkungen auf Ökosystem
Die Forscher untersuchten mehr als 200 Kanaren-Echsen (Gallotia galloti) in Gebieten mit und ohne Katzenkolonien. Das Ergebnis der in der Fachzeitschrift Biology Letters veröffentlichten Studie ist eindeutig: Die permanente Präsenz von Katzen führt zu drastischen Einschnitten in der Struktur der Reptilienpopulationen.
Die Echsen sind ein unverzichtbarer Teil des kanarischen Ökosystems, da sie als Samenverbreiter für Pflanzen und als Nahrung für einheimische Raubvögel dienen. Schwinden die Echsen, gerät die gesamte Naturkette der Inseln aus dem Gleichgewicht. Auf Teneriffa allein gibt es Schätzungen zufolge bereits über 400 registrierte Katzenkolonien.
Jagdtrieb bleibt trotz regelmäßiger Fütterung aktiv
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass gut gefütterte Haus- und Straßenkatzen keine Wildtiere jagen. Die Untersuchung widerlegt dies klar: Zwischen 20 und 40 Prozent der von Katzen erbeuteten Echsen werden überhaupt nicht gefressen. Es handelt sich um ein rein instinktives Jagdverhalten. In den Überresten einer einzigen Katzenkolonie auf Teneriffa wiesen die Wissenschaftler die Reste von 14 Echsen nach.
Kritik üben die Experten an der spanischen Gesetzgebung. Das aktuelle Tierschutzgesetz von 2023 setzt beim Management von Straßenkatzen fast ausschließlich auf die Methode CER (Einfangen, Kastrieren, Freilassen). Daten zeigen jedoch, dass diese Maßnahme in offenen Ökosystemen die Ausbreitung nicht stoppt und die heimische Tierwelt nicht schützt. Die Wissenschaftler fordern daher strengere Regeln nach internationalem Vorbild, wie etwa die Umsiedlung von Katzenkolonien in geschützte Areale.
