Insgesamt vier Küstenabschnitte auf den Kanaren wurden in diesem Sommer mit der „Schwarzen Flagge“ markiert. Die Umweltschutzorganisation begründet die Einstufung mit zunehmender Umweltverschmutzung, illegalen Bauprojekten und den Auswirkungen des Massentourismus auf dem Archipel. Trotz massiver Bürgerproteste mit rund 200.000 Teilnehmern steuern die Inseln im Jahr 2026 auf den historischen Rekordwert von 18 Millionen Touristen zu, was den Druck auf das fragile Ökosystem drastisch erhöht.
Umweltschützer prangern Abwasserprobleme und Baumängel auf den Kanarischen Inseln an
Die Organisation Ecologistas en Acción vergibt in ihrem landesweiten Bericht insgesamt 48 dieser Negativ-Preise – jeweils zwei für jede spanische Küstenprovinz. Dabei entfällt stets eine Flagge auf direkte Umweltverschmutzung und eine auf mangelhaftes Küstenmanagement. Die vier benannten Zonen auf den Kanarischen Inseln gelten laut den Aktivisten als extrem deutliche Beispiele für Behördenversagen beim Umweltschutz.
Umweltmängel und umstrittene Bauprojekte in der Provinz Santa Cruz de Tenerife
- Playa de Las Teresitas (Teneriffa): Der beliebte Hauptstadtstrand erhielt die Schwarze Flagge für Umweltverschmutzung. Die Organisation prangert eine jahrzehntelange, bewusste Vernachlässigung des Areals an. Neben unkontrollierter Müllentsorgung und mangelhaften Sanitäranlagen stehen vor allem wiederkehrende Fäkalienverschmutzungen und die illegale Besetzung des öffentlichen Raums in der Kritik.
- Cuna del Alma (Teneriffa): Das umstrittene Luxusprojekt in Puertito de Adeje wurde bereits zum dritten Mal in Folge mit der Schwarzen Flagge für Missmanagement abgestraft. Obwohl für das Hotel- und Villenprojekt mehrere vorsorgliche Baustopps verhängt wurden und eine rechtsgültige Umweltverträglichkeitsprüfung fehlt, wird laut Bericht weitergebaut. Dies führe zur irreparablen Schädigung geschützter Arten und archäologischer Stätten im Natura-2000-Netzwerk.
Industrielle Fischzucht und steigender Kreuzfahrttourismus in der Provinz Las Palmas
- Küste von Telde (Gran Canaria): Hier wurde die Schwarze Flagge für Umweltverschmutzung wegen der massiven Auswirkungen der marinen Aquakultur vergeben. Im Herbst 2025 führte ein massenhaftes Fischsterben in den Mastkäfigen zur Sperrung der Strände Melenara, Salinetas und Ojos de Garza. Die Umweltschützer kritisieren das intensive Hochsee-Modell und fordern den kompletten Abzug der Netzkäfige.
- Hafen von Arrecife (Lanzarote): Die vierte Flagge markiert den rasanten Anstieg des Kreuzfahrttourismus auf der Biosphärenreservat-Insel als schwerwiegendes Missmanagement. Die Passagierzahlen stiegen von 150.000 (2021) auf prognostizierte 700.000 im Jahr 2026. Dies sorge für extreme Schadstoffemissionen, Lärmbelästigung und enormen logistischen Druck auf geschützte Naturräume wie den Timanfaya-Nationalpark, während kaum lokale wirtschaftliche Erträge generiert werden.
