Eine verstärkte Wachsamkeit prägt aktuell die Arbeit der kanarischen Gesundheitsbehörden nach den ersten Funden des West-Nil-Virus auf dem Archipel. Nachdem das Virus kürzlich bei Pferden in der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana auf Gran Canaria nachgewiesen wurde, rufen Mediziner nun zu besonnener Aufmerksamkeit auf.
María Paz Sánchez-Seco, Leiterin des Labors für Arboviren am nationalen Mikrobiologie-Zentrum, stellte im Interview mit der Zeitung Canarias7 klar, dass eine Übertragung auf den Menschen in naher Zukunft unvermeidbar ist.
Übertragung rein über Stechmücken
Eine Übertragung auf den Menschen erfolgt rein über den Stich einer infizierten Stechmücke. Wildvögel fungieren als Hauptwirte des Erregers, den Mücken bei einer Blutmahlzeit aufnehmen und auf Säugetiere übertragen. Auf dem Archipel landete das Virus wohl über Zugvögel aus Afrika, woraufhin sich die lokalen Mückenpopulationen damit infizierten.
Höhere Temperaturen spielen Treibern in die Karten
Massive Schützenhilfe erhalten die Insekten durch die anhaltende Hitze und den globalen Klimawandel. Längere Wärmeperioden und veränderte Regenmuster führen dazu, dass sich die Stechmücken auf den Kanaren rasant vermehren und immer größere Populationen bilden. Sánchez-Seco unterstreicht, dass das Virus auf dem Archipel inzwischen ideale Bedingungen vorfindet, um sich dauerhaft festzusetzen.
Gut 80 Prozent aller menschlichen Infektionen gehen völlig unbemerkt an den Betroffenen vorbei, obwohl im schlimmsten Fall folgenschwere Hirnhautentzündungen auftreten können. Auf diese Bedrohung reagieren die Gesundheitsämter bereits mit scharfen Kontrollen von stehenden Gewässern, um Brutstätten der Mückenlarven sofort unschädlich zu machen.
