Die jüngste Serie von Messerangriffen in Las Palmas auf Gran Canaria sorgt für erhebliche Unruhe innerhalb der Sicherheitsbehörden. Nach mehreren Vorfällen hat die Polizeigewerkschaft CSIF eine deutliche Stellungnahme veröffentlicht und fordert ein sofortiges Umdenken sowie eine genaue Analyse der Kriminalitätsentwicklung. Der Stadtrat hält dagegen und betont, dass die von der Gewerkschaft beschriebene Lage nicht der Realität entspreche.
Drei schwere Angriffe im Hafenviertel
Auslöser der jüngsten Debatte war eine blutige Auseinandersetzung am Dienstag in La Isleta. Auf offener Straße gerieten zwei Obdachlose aneinander und verletzten sich gegenseitig mit Messern schwer. Beide wurden festgenommen. Laut Angaben der Gewerkschaft ist dies bereits der dritte Angriff innerhalb von nur drei Wochen im Hafengebiet der Hauptstadt.
„Wir können nicht warten, bis ein Polizist oder ein Bürger sein Leben verliert, bevor endlich wirksame Maßnahmen ergriffen werden“, warnt Francisco Melián, CSIF-Delegierter der örtlichen Polizei, eindringlich.
Unmittelbare Forderung nach Taser-Schulungen
Die Gewerkschaft sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert verstärkte Präventionsmaßnahmen, um Stichwaffen abzufangen, bevor sie zum Einsatz kommen. Ein zentraler Streitpunkt sind dabei moderne Einsatzmittel. Die örtliche Polizei verfügt über fünf Elektroschocker (Taser), die jedoch seit Monaten ungenutzt im Depot liegen. Der Grund dafür ist ein akuter Mangel an den notwendigen Schulungen für die Beamten.
Wie effektiv diese Geräte sein können, zeigte sich Ende Juli, als die Nationalpolizei einen mit einem Messer bewaffneten Angreifer mithilfe eines Tasers stoppen konnte. Neben den Schulungen fordert die CSIF eine Überprüfung der Einsatzprotokolle sowie mehr Polizisten auf den Straßen.
Stadtrat verweist auf Rekordzahlen bei den Beamten
Die Sicherheitsabteilung des Stadtrats unter der Leitung von Josué Íñiguez weist die Kritik der Gewerkschaft zurück. Die Behörde betont, dass die Beamten der Policía Local hervorragend ausgerüstet seien und über maßgefertigte, stich- und kugelsichere Westen verfügen. Die Taser seien zudem keine Pflichtausrüstung, sondern ein zusätzliches Extra.
Darüber hinaus verweist die Stadt auf die Statistik. In Las Palmas auf Gran Canaria gebe es derzeit die höchste Anzahl an Nationalpolizisten in der Geschichte der Stadt und die größte Präsenz an örtlichen Polizeibeamten seit einem Jahrzehnt. Zudem befinden sich aktuell 57 neue Beamte im Auswahlverfahren. Seit Ende 2025 wurden zudem die Fußstreifen wieder eingeführt, um die bürgernahe Kriminalprävention in den Vierteln zu stärken.
