Der Atlantik ist für Migranten erneut zum Friedhof geworden. Ein Holzboot, das am 8. September mit 72 Menschen an Bord im gambischen Kartong in Richtung der Kanaren aufgebrochen war, trieb tagelang manövrierunfähig vor der Küste Mauretaniens. Für mindestens 35 Passagiere kam jede Hilfe zu spät; sie verstarben auf See oder gelten als vermisst.
Bereits nach vier Tagen schlug das Schicksal erbarmungslos zu. Die Vorräte an Essen und Trinkwasser waren komplett aufgebraucht. Als der Bootsführer in seiner Verzweiflung umkehren wollte, streikte der Motor. Das Boot trieb fortan völlig unkontrolliert auf den Wellen. Die Rettung kam in letzter Sekunde. Die Besatzung eines Fischerbootes entdeckte das Schiff und brachten die 37 Überlebenden in Sicherheit.
„Viele brechen auf. Nur wenige kehren zurück.“
Dieses Drama ereignete sich nur zehn Tage nach einer der qualvollsten Tragödien auf dieser Route, als ein Boot aus Gambia nach 27 Tagen auf See Gran Canaria erreichte – von 128 Insassen überlebten damals nur 45 den Hunger und Durst. Für die Menschenrechtsaktivistin Ebrima Drammeh sind diese Zahlen das Ergebnis purer Verzweiflung in Westafrika. In Gambia sehen zu viele junge Menschen keine Zukunft, beschreibt sie die Situation.
Arbeitslosigkeit und rasant steigende Lebenshaltungskosten treiben die Jugend auf das Meer. Während 37 Familien nun die Gewissheit haben, dass ihre Angehörigen überlebt haben, warten Dutzende andere vergeblich auf ein Lebenszeichen. Gambia hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Hauptausgangspunkt für die lebensgefährliche Überfahrt entwickelt.
Dass der Drang nach Europa kein Ende nimmt, beweist ein weiterer Vorfall vom 12. September. Lokale Sicherheitskräfte und die spanische Guardia Civil fingen ein Schiff ab, auf dem 207 Personen zusammengepfercht waren, um die lebensgefährliche Überfahrt zu den Kanarischen Inseln zu wagen. Die Gruppe, zu der auch elf Frauen und elf Kinder gehörten, hatte zuvor eine qualvolle Woche im dichten Ufergebiet des Faraba-Bolong-Flusses ausgeharrt, um unentdeckt in See stechen zu können. Nach dem Zugriff war die medizinische Hilfe des Roten Kreuzes für die völlig Entkräfteten dringend nötig.
