Ein schwerer Fall von mutmaßlicher sexueller Gewalt auf einem Migrantenboot sorgt auf Lanzarote für politisches Entsetzen. Weil die Tat außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer stattfand, kamen drei Verdächtige vorerst wieder auf freien Fuß. Der Bürgermeister von Arrecife fordert nun harte Konsequenzen.
Der Hintergrund ist ein juristisches Verwirrspiel. Nach der Rettung eines Bootes Mitte September vor Lanzarote erstattete eine Frau Anzeige. Sie war während der Überfahrt schwer sexuell bedrängt worden. Ein Zeuge stützte ihre Aussage, sodass die Polizei drei Migranten im Alter von 21, 25 und 30 Jahren festnahm. Bei der Rettungsaktion zuvor mussten die Helfer sogar Menschen aus dem Meer retten, bevor das Boot den Hafen von Arrecife erreichte.
Das zuständige Gericht hob die Untersuchungshaft für die drei Männer nun jedoch wieder auf. Der Grund: Da sich der Übergriff auf dem unregistrierten Boot in internationalen Gewässern abspielte und alle Beteiligten Ausländer sind, sehen sich die spanischen Gerichte nach aktueller Gesetzeslage schlichtweg als nicht zuständig an. Das Verfahren ist damit zwar nicht eingestellt, doch die Männer sind auf freiem Fuß.
Bürgermeister verlangt sofortiges Eingreifen des Staates
Arrecifes Bürgermeister Yonathan de León stellte umgehend eine klare politische Forderung an die Regierung der Kanaren. Er will, dass der Aufenthaltsstatus der Beschuldigten einkassiert wird und die Vorbereitungen für die Abschiebung anlaufen. Ohne lückenlose Kontrollen an den Grenzen und schnelle Rückführungen, so warnt De León, steuere Lanzarote direkt auf dieselben schweren Probleme zu wie andere Außengrenzen Europas.
Der Bürgermeister erinnert in diesem Zusammenhang an eine Geschichte aus dem August 2025. Damals kamen 49 blinde Passagiere aus dem Senegal auf einem niederländischen Frachter im Hafen von Los Mármoles an. Auch sie kamen nach kurzer Zeit wieder frei, weil sie einen Asylantrag stellten. Solche Fälle will der Bürgermeister auf der Insel in Zukunft absolut nicht mehr sehen.
Staatsanwaltschaft fordert Gesetzesreform
Diese juristische Lücke ist auch der Staatsanwaltschaft ein Dorn im Auge. Die Behörde hat dem spanischen Parlament bereits eine Reform vorgeschlagen. Bislang darf Spanien in internationalen Gewässern nur gegen Schlepperkapitäne vorgehen – eine Regelung, die nach der Flüchtlingskrise 2006 eingeführt wurde. Die Staatsanwaltschaft fordert nun, dass spanische Gerichte künftig alle schweren Straftaten verfolgen dürfen, die auf den Booten auf dem Weg nach Spanien begangen werden.
