Die Spannungen in der Nordafrika-Exklave Ceuta sind am Donnerstagabend völlig eskaliert. Zum dritten Mal in Folge gingen zahlreiche Einwohner auf die Straße, um gegen die anhaltende Migrationskrise in der Stadt zu protestieren. Im Verlauf des Abends kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, als eine aufgebrachte Menge Polizeisperren durchbrach, um gezielt zum Strand von Trampolín vorzudringen, wo derzeit Migranten untergebracht sind.
Krawalle am Strand und Einsatz von Gummigeschossen
Direkt nach dem Stürmen des Lagers begannen einige Randalierer damit, Sonnenschirme und Hütten zu beschädigen und in Brand zu stecken. Unter dem Entrollen einer großen spanischen Flagge warfen Beteiligte zudem zahlreiche Habseligkeiten der Migranten ins Meer. Angesichts der dramatischen Entwicklung sah sich die Nationalpolizei gezwungen, massiv einzugreifen. Um die Protestgruppen auseinanderzutreiben, setzten die Beamten unter anderem Gummigeschosse ein.
Schutz für die betroffenen Migranten bot letztlich nur eine eilig errichtete Polizeikette auf dem Wellenbrecher am Strand, die ein weiteres Vordringen der wütenden Anwohner verhinderte.
Blockade von Lebensmitteln und medizinischer Hilfe
Zuvor hatten Dutzende Demonstranten versucht, die humanitäre Versorgung lahmzulegen. Vier Fahrzeuge des Roten Kreuzes, die Lebensmittel an die Migranten verteilen wollten, wurden durch eine Sitzblockade gestoppt. Zwar konnte sich ein Lastwagen schließlich den Weg bahnen, doch blockierten Anwohner im Anschluss sofort einen Konvoi aus mehreren Krankenwagen.
Diese Fahrzeuge sollten die medizinische Versorgung vor Ort sicherstellen. Erst nach rund einer halben Stunde und unter Polizeieskorte gelang es den Einsatzkräften, die Protestierenden abzudrängen und die medizinische Hilfe über eine alternative Route zum Einsatzort zu leiten.
Minister Torres fordert klares Nein zu Gewalt
Scharfe Kritik an den Vorfällen äußerte Minister Ángel Víctor Torres, der die alleinige Leitung des Krisenmanagements in Ceuta übernommen hat. Nachdrücklich forderte er alle politischen Parteien auf, sich einer klaren Botschaft gegen Gewalt anzuschließen. Besonders verurteilte er die massiven Drohungen, denen freiwillige Helfer des Roten Kreuzes ausgesetzt waren.
Es sei völlig inakzeptabel, dass Helfer ihre Arbeit aus Angst um ihre Sicherheit einstellen wollen, nur weil sie Lebensmittel am Strand verteilen. Angriffe auf Mitmenschen – ob muslimische Einwohner oder Einwanderer – dürfe es in einer demokratischen Gesellschaft nicht geben, so Torres abschließend.