Wer derzeit auf den Kanaren unterwegs ist, reibt sich verwundert die Augen. Die Strände sind belebt, die Restaurants gut besucht und die Straßen voll. Gefühlt erlebt das Archipel einen ungebrochenen Ansturm.
Doch die neuesten Zahlen des Nationalen Statistikinstituts sprechen aber eine andere Sprache. Erstmals seit 2022 kühlt der Markt spürbar ab. Im Juni kamen fast fünf Prozent weniger Urlauber auf die Inseln als im Vorjahresmonat, und im gesamten ersten Halbjahr fehlen weit über 160.000 Gäste.
Tourismusministerin Jessica de León erklärte, dass dieser Rückgang von den Experten genau so vorhersehbar war. Der Grund liegt vor allem in den massiv gestiegenen Preisen. Durch die internationalen Krisen und die Teuerung beim Treibstoff haben sich Pauschalreisen auf die Kanaren um rund zwanzig Prozent verteuert. Flugtickets und Hotelzimmer haben Preisregionen erreicht, die viele Familien abschrecken oder dazu zwingen, ihren Urlaub zu verkürzen.
Warum sich die Inseln trotzdem proppenvoll anfühlen
Dass die Inseln trotz des Rückgangs absolut voll wirken, liegt an einem entscheidenden Detail in der Strategie der Regierung. Die Einnahmen stimmen nach wie vor. Obwohl insgesamt weniger Menschen einfliegen, lassen die verbliebenen Gäste deutlich mehr Geld in den lokalen Geschäften. Es findet also ein von den Behörden durchaus gewünschter Strukturwandel statt. Weg vom reinen Massentourismus und dem Jagen nach immer neuen Besucherrekorden, hin zu mehr Qualität und höheren Umsätzen pro Kopf.
Zusätzlich sorgt ein verändertes Buchungsverhalten für die gefühlte Enge. Viele Urlauber buchen extrem kurzfristig auf den letzten Drücker. Sorgen bereitet dem Ministerium für den kommenden Winter allerdings der traditionell so wichtige deutsche Markt.
Da Deutschland seit Jahren in einer wirtschaftlichen Rezession feststeckt, bricht dort die Kaufkraft spürbar ein. Um die Zahlen für die Hauptsaison im Winter stabil zu halten, plant die Regierung bereits, die Werbekampagnen in der Bundesrepublik gezielt zu intensivieren, damit die Kanaren ihr Image als sicherer Fluchthafen in der kalten Jahreszeit behalten.
