Neue Gesundheitsauflagen aus Brüssel wirbeln den Lebensmittelmarkt auf den Kanaren ziemlich durcheinander. Ab diesem Donnerstag gilt ein offizieller Importstopp für Rind- und Geflügelfleisch aus Brasilien, weil dort bestimmte Antibiotika als Wachstumstreiber bei Tieren eingesetzt wurden. Neben Fleisch stehen auf der Verbotsliste der EU ab sofort auch Eier, Honig, Fisch und Meeresfrüchte aus Zuchtbetrieben sowie Naturdärme für Wurstwaren.
Massive Abhängigkeit vom brasilianischen Markt
Ziemliche Nervosität löst die Nachricht auf den Inseln aus, weil der Archipel extrem stark an ausländischen Lieferanten hängt. Zahlen aus der Fleischwirtschaft zeigen, dass bisher gut die Hälfte des eingeführten Hühner- und Rindfleischs direkt aus Brasilien stammte. Genau aus diesem Grund schlug der Wirtschaftsverband CEOE Teneriffa schon vor Wochen Alarm und sah teurere Lebensmittel sowie leere Regale voraus.
Etwas Entwarnung gibt indessen der kanarische Verband für Lebensmittel- und Konsumgüter (FACCA). Verbandschef Juan Manuel Ravelo González betonte, dass leere Regale in den Supermärkten vorerst nicht zu befürchten seien. Zum einen laufen aktuell noch technische Prüfungen und EU-Audits in Brasilien, zum anderen dürfen bereits vor dem Stichtag zertifizierte Waren weiterhin transportiert und entladen werden. Es handelt sich hierbei ausdrücklich um eine Anpassung an neue Kontrollvorgaben und nicht um einen akuten gesundheitlichen Warnruf wegen verdorbener Ware.
Suche nach neuen Lieferanten läuft auf Touren
Trotzdem müssen sich die Händler vor Ort jetzt schnell nach anderen Märkten umsehen, falls das Importverbot länger bestehen bleibt. Gute Alternativen innerhalb Europas gibt es zum Glück: Für Geflügel stehen vor allem Polen, Frankreich und das spanische Festland bereit, während beim Rindfleisch Deutschland und Italien einspringen könnten.
Mehr Rückenwind für die lokale Landwirtschaft ändert kurzfristig nichts daran, dass der Archipel extrem stark von Importen abhängt. Deswegen sichert die EU-Förderung auch im laufenden Jahr gewaltige Quoten für den Fleischimport aus Europa – konkret bis zu 49,2 Mio. Kilo Hähnchen und 36,5 Mio. Kilo Rindfleisch. Spannend bleibt nun vor allem, wie reibungslos die Umstellung klappt und was die Kunden am Ende tatsächlich bezahlen.
