Ein massiver Preissprung bei Küstenimmobilien treibt die Wohnungsnot auf den Kanaren auf die Spitze. Im ersten Quartal dieses Jahres kletterten die Quadratmeterpreise in den Küstenregionen laut Tinsa-Daten um 14,1 Prozent nach oben. Mit einem Schnitt von 1.992 Euro pro Quadratmeter ist Wohneigentum am Meer so teuer wie nie zuvor. Dieser ungebremste Aufwärtstrend katapultiert den Archipel – gleichauf mit den Balearen – an die Spitze der spanischen Immobilien-Teuerung.
Einheimische im Preiskampf gegen ausländische Investoren
Diese Teuerung trifft die einheimischen Familien bis ins Mark. Um die Raten für ein Haus an der Küste zu decken, fließt mittlerweile fast die Hälfte – rund 40 Prozent – des durchschnittlichen Haushaltseinkommens in die Finanzierung. Die empfohlene Belastungsgrenze von maximal 35 Prozent ist damit längst überschritten. In der Praxis hat sich die Küstenregion damit zu einem Premiummarkt gewandelt, der fast ausschließlich von ausländischen Käufern und einkommensstarken Interessenten dominiert wird.
Vor allem das Feriensegment treibt diese Schieflage voran. Ausländische Investoren dominieren die Nachfrage im Osten mit rund 60 Prozent (Provinz Las Palmas) und im Westen mit 45 Prozent (Provinz Santa Cruz de Tenerife). Hauptsächlich britische, italienische, deutsche und nordische Staatsbürger sichern sich die Immobilien. Da touristische Ferienwohnungen deutlich höhere Renditen abwerfen als traditionelle Mietverträge, zieht sich der reguläre Wohnungsmarkt immer weiter zurück. Für die lokale Bevölkerung wird es dadurch fast unmöglich, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Bauboom auf den Hauptinseln, Flaute auf den Nebeninseln
Obwohl die Gesamtanzahl der Immobilientransaktionen leicht rückläufig ist, erlebt der Neubau auf dem Archipel einen regelrechten Boom. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen stieg im Jahresvergleich um deutliche 39 Prozent. Allerdings ist diese Entwicklung extrem ungleich verteilt und konzentriert sich fast ausschließlich auf die beiden Hauptinseln Gran Canaria und Teneriffa. Während in der westlichen Provinz ein Plus von über 60 Prozent bei den Genehmigungen verzeichnet wurde, ging die Bautätigkeit auf Fuerteventura und La Palma spürbar zurück.
Doch nicht nur die Küstengebiete sind betroffen: Auch abseits der Strände zieht das Preisniveau für Bestandsimmobilien kräftig an. Mittlerweile müssen Käufer in der Provinz Las Palmas de Gran Canaria mit durchschnittlich 1.853 Euro pro Quadratmeter rechnen, während der Quadratmeterpreis in der Provinz Santa Cruz de Tenerife sogar auf 2.069 Euro geklettert ist.
