Die Sorge vor dem Ausbruch einer verheerenden Naturkatastrophe auf den Kanaren wächst stündlich. Besonders auf Gran Canaria bewerten die Behörden das Risiko für verheerende Waldbrände oberhalb der Vierhundert-Meter-Höhenlinie weiterhin mit der absoluten Höchststufe.
Federico Grillo, der Chef des insularen Notfalldienstes, fand in einer aktuellen Lagebeurteilung dramatische Worte für den Zustand der Natur im Inselinneren. Die Vegetation und die Böden auf Gran Canaria seien durch die tagelange Hitze extrem gestresst und ausgetrocknet.
Meteorologen von Aemet stufen das Gefahrenpotenzial flächendeckend als sehr hoch ein. Einzig auf den beiden östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura bleibt das Risiko aufgrund geringerer Bewaldung auf einem sehr niedrigen Niveau. Da für den heutigen Nachmittag und den morgigen Freitag in den Bergen des Südens und Westens weiterhin Spitzenwerte von weit über 34 Grad sowie starke Böen vorhergesagt sind, hat die Reginalregierung für fast alle Inseln eine Vorwarnstufe ausgerufen.
Ausgetrocknete Natur besitzt enorme Kraft zur Brandausbreitung
Laut Feuerwehr-Chef Grillo führt die Kombination aus minimaler Luftfeuchtigkeit, anhaltender Sommerglut und stürmischen Passatwinden dazu, dass im Falle einer Zündung sofort eine unkontrollierbare Dynamik entsteht. Ein kleiner Funke würde ausreichen, um eine rasende Feuersbrunst zu entfachen, die sich von den Einsatzkräften in den Bergen kaum noch stoppen ließe. Das Cabildo de Gran Canaria appelliert daher eindringlich an die Bevölkerung, jede verdächtige Rauchsäule sofort über den Notruf zu melden.
Um die Wahrscheinlichkeit eines menschlichen Fehlers auf ein Minimum zu reduzieren, gilt im Landesinneren ein eiserner Verbotskatalog. Jegliches offene Feuer im Freien, das Abbrennen von Feuerwerk sowie die traditionelle Jagd sind auf der gesamten Insel komplett untersagt. Sämtliche Wanderwege, Campingplätze, Freizeitareale und Herbergen in den Bergen wurden für Besucher gesperrt. Auch das Befahren von Forstwegen ist für die Öffentlichkeit verboten. Besonders drastisch trifft es die Zufahrt zum Nationalpark Tamadaba über die Straße GC-216, die vollständig abgeriegelt bleibt.
Zudem gilt ein striktes Nutzungsverbot für Maschinen wie Kettensägen oder Trennschleifer in einer Sicherheitszone von vierhundert Metern rund um alle Waldgebiete. Auch Aktivitäten in der Bienenzucht und Kohlebrennerei, die mit Rauch arbeiten, ruhen komplett. Das Umweltministerium erinnert Autofahrer außerdem daran, Fahrzeuge niemals über trockener Vegetation abzustellen, da heiße Katalysatoren sofort Brände auslösen können. Rettungswege müssen unter allen Umständen für die Einsatzfahrzeuge freigehalten werden.
