Ein spektakulärer Schiffsriese zieht derzeit im südlichen Bereich des Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria alle Blicke auf sich. Auf seiner Seereise von der Türkei nach Japan hat der Autotransporter Carmen einen Zwischenstopp eingelegt und liegt nun hier vor Anker. Das unter schwedischer Flagge fahrende Spezialschiff der Reederei Wallenius Wilhelmsen zählt bis heute zu den absoluten Giganten der weltweiten Frachtschifffahrt. Der schwimmende Parkplatz misst eine Länge von 230,8 Metern und eine Breite von 32,3 Metern.
An Bord des Giganten befinden sich insgesamt dreizehn Ebenen, auf denen knapp achttausend Personenkraftwagen zeitgleich Platz finden. Das logistische Meisterwerk im Inneren des Frachters besteht aus fünf hydraulisch verstellbaren Zwischendecks. Diese können je nach Ladung flexibel angehoben oder komplett an die Decke geklappt werden, um Platz für schwere Baumaschinen, Busse oder Lastwagen zu schaffen. Vier feste, speziell verstärkte Decks im unteren Bereich des Rumpfes sorgen während der Überfahrt für die nötige Stabilität des Schiffs.

Das Schiff legte im türkischen Hafen Izmir ab und hat Yokohama in der japanischen Präfektur Kanagawa als großes Ziel. Der Zwischenstopp auf Gran Canaria wird nun für einen umfassenden Logistik-Stopp genutzt. Neben dem Wechsel der Schiffsbesatzung tankt der Riese 1700 Tonnen Schweröl sowie 300 Tonnen Diesel für die Weiterfahrt. Die Betreibergesellschaft kontrolliert weltweit mehr als einhundert solcher Spezialschiffe und transportiert jedes Jahr Millionen von Fahrzeugen um den Globus.
Der Frachter passierte die Unglücksbrücke in den USA nur wenige Minuten vor dem Einsturz
Neben seinen technischen Superlativen besitzt das Schiff eine dramatische und weltweit bekannte Vorgeschichte. Die Carmen entkam im Frühjahr des vergangenen Jahres nur um wenige Minuten einer der schwersten Schiffskatastrophen der jüngeren Geschichte.
Der Frachter hatte gerade den Hafen von Baltimore verlassen und die berühmte Francis-Scott-Key-Brücke unterquert, als kurz darauf das Containerschiff Dali nach einem totalen Stromausfall den Stützpfeiler der Brücke rammte und die gesamte Stahlkonstruktion zum Einsturz brachte. Nach dem Unglück saß der Autotransporter einen vollen Monat lang im blockierten Hafenbecken fest, bevor er von Schleppern befreit werden konnte.
