Die Kanaren leiden immer häufiger unter trockenem Saharastaub aus Afrika. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung des CSIC zeigt nun das alarmierende Ausmaß: Fast an jedem zweiten Tag im Jahr zieht die Staubwolke über die Inseln und belastet die Gesundheit der Menschen.
Fast fünf Monate im Jahr unter Staubbelastung
Laut den Daten des Obersten Rates für wissenschaftliche Forschung (CSIC) registrieren die Kanaren inzwischen an mindestens 146 Tagen im Jahr – das entspricht fast fünf Monaten – Episoden von Calima. Damit ist das Archipel die am stärksten betroffene Region Spaniens.
Hauptursache für diese Entwicklung ist eine anhaltende Veränderung der atmosphärischen Zirkulation in Kombination mit der zunehmenden Austrocknung Nordafrikas infolge der globalen Erwärmung. Der Feinstaub besteht dabei keineswegs nur aus reinem Wüstensand. Analysen zeigen, dass bis zu 18 Prozent der Partikel aus industrieller Verschmutzung, wie etwa von Raffinerien und Kraftwerken in Marokko und Algerien, stammen.
Nordostwind fegt über die Meerenge
Zusätzlich zu der Feinstaubbelastung meldet die staatliche Wetterbehörde AEMET für Montagabend, den 20. Juli 2026, eine gelbe Küsten-Windwarnung. In der Zeit von 21:00 Uhr bis 23:59 Uhr frischt ein kräftiger Nordostwind auf, der vor allem in der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria Geschwindigkeiten von bis zu 61 km/h erreicht. Betroffen sind jeweils die Ost-, Süd- und Westküsten beider Hauptinseln. Urlauber und Wassersportler sollten in den betroffenen Küstenzonen extreme Vorsicht walten lassen.
Medizinische Studien belegen Gefahr für Herz und Lunge
Der Mix aus heftigen Küstenwinden und der extremen Calima-Belastung stellt insbesondere für Risikogruppen eine ernste Gefahr dar. Medizinische Untersuchungen des Universitätskrankenhauses der Kanaren (HUC) belegen eine direkte Verbindung zwischen intensiven Staubepisoden und einer erhöhten Sterblichkeit durch Herzinfarkte und Atemwegserkrankungen.
In der Vergangenheit wurden bei sogenannten „Supercalimas“ extreme Feinstaubwerte (PM10) von über 1.800 µg/m³ auf Gran Canaria gemessen. Da die Entzündungsreaktionen im Körper oft schon am ersten Tag der Exposition beginnen, raten die Behörden Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen, die Wetter- und Feinstaubwarnungen strikt zu beachten und körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden.
