Die Dünen von Maspalomas stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung für ihre Zukunft. Das Cabildo de Gran Canaria hat ein Bürgerbeteiligungsverfahren gestartet, um den neuen Plan zur Ordnung der natürlichen Ressourcen (PORN) zu gestalten. Ziel dieser Initiative ist es, Vorschläge und Anregungen aus der Bevölkerung zu sammeln, um das über 400 Hektar große Sonderschutzgebiet rechtlich abzusichern.
Die Dünen leiden seit Jahren unter einem enormen touristischen und urbanen Druck. Die digitale Plattform für die Bürgerbeteiligung ist noch bis zum 4. Juli geöffnet. Die ersten Rückmeldungen der Bürger zeigen eine klare Spaltung darüber, wie das sensible Ökosystem in der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana künftig geschützt werden soll:
- Strengerer Schutz: Einige Teilnehmer fordern deutlich härtere Strafen und drastische Zugangsbeschränkungen für sensible Bereiche.
- Sauberkeit und Sicherheit: Andere Stimmen betonen, dass der Fokus auf besserer Reinigung, mehr Sicherheit und Umweltbildung liegen sollte. Ein Schutz des Gebiets dürfe nicht bedeuten, dass Menschen unverhältnismäßig stark ausgeschlossen werden.
Victor Delisau, Inseldirektor für technische Planung und Landschaftsentwicklung, erklärte, dass alle eingegangenen Vorschläge nach dem Ende der Frist ausgewertet werden. Sie fließen direkt in den ersten Entwurf des Schutzplans ein. Das gesamte Verfahren wird voraussichtlich rund 17 Monate dauern, bis der Plan endgültig verabschiedet ist.
Rechtliche Instrumente zur Festlegung von Grenzen und Nutzungen
Der neue Schutzplan (PORN) ist eine staatliche rechtliche Vorgabe, um die Wirksamkeit des Naturschutzgebiets langfristig zu sichern. Das Dokument wird die genauen Grenzen der Schutzzone definieren und drei Kategorien von Aktivitäten festlegen:
- Erlaubte Nutzungen innerhalb des Reservats.
- Verbotene Aktivitäten, die das Ökosystem schädigen.
- Regulierte Nutzungen, die später in einem spezifischen Leitplan für Nutzung und Verwaltung (PRUG) im Detail geregelt werden.
Zudem muss der Plan eine aktuelle politische Kontroverse berücksichtigen: Der Entwurf des neuen Digitalisierungsgesetzes sieht vor, die Außengrenzen der Dünen im Küstenbereich zu verkleinern. Dies ist ein Thema, das laut Delisau im weiteren Verfahren zwingend geprüft werden muss.
Über 560.000 Euro für Besucherkontrolle und Artenschutz
Um unmittelbare Schäden vom Ökosystem abzuwenden, handelt das Cabildo auch sofort auf operativer Ebene. Das öffentliche Unternehmen Gesplan hat einen Dienst für Umweltinformatoren im Wert von 562.538 Euro ausgeschrieben. Interessierte Unternehmen können bis zum 13. Juli 2026 ihre Angebote einreichen.
Dieses Fachpersonal wird direkt in den ökologisch am stärksten gefährdeten Zonen eingesetzt und übernimmt folgende Aufgaben:
- Lenkung der Besucherströme, damit die Menschen ausschließlich auf den offiziell genehmigten Wegen bleiben.
- Schutz der Nistplätze von bedrohten und sensiblen Vogelarten wie dem Seeregenpfeifer und dem Flussregenpfeifer.
- Verhindern von Trampelpfaden und unkontrollierten Wegen durch die Dünen.
- Unterbindung von unzulässigen Aktivitäten, wie etwa der Nutzung des Düneninneren für sexuelle Kontakte. Diese Praxis hat in der Vergangenheit zu einer spürbaren Zerstörung der einheimischen Vegetation geführt.
Mit dieser Kombination aus langfristiger rechtlicher Absicherung und aktiver Kontrolle vor Ort versucht Gran Canaria, das Überleben einer seiner symbolträchtigsten Landschaften zu sichern.
