Auf den Kanaren greifen die neuen, verschärften Regeln des Europäischen Migrations- und Asylpakts mit voller Härte durch. Nach der Ankunft eines traditionellen Holzbootes am vergangenen Dienstag im Hafen von La Restinga auf El Hierro hat der zuständige Richter nun ein großflächiges Abschiebeverfahren in Gang gesetzt.
Betroffen sind 85 der 119 Insassen des Bootes. Die Entscheidung markiert den bisher umfangreichsten Fall von angeordneter Abschiebehaft auf den Kanaren seit der Einführung der neuen EU-Richtlinien.
Richter nutzt maximalen Gewahrsam von 60 Tagen
Die Justiz handelte direkt nach Ablauf der maximalen polizeilichen Gewahrsamsfrist von 72 Stunden. Nach der Anhörung der Betroffenen genehmigte der Richter deren Überführung in ein geschlossenes Abschiebezentrum für Ausländer (CIE). Bis der Transport von der Polizei organisiert ist, verbleiben die Menschen vorübergehend in der temporären Betreuungseinrichtung San Andrés auf El Hierro.
Mit dem Gerichtsbeschluss hat sich der rechtliche Status der Betroffenen grundlegend geändert: Sie dürfen nun bis zu 60 Tage lang – dem gesetzlichen Höchstmaß in Spanien – festgehalten werden, um die Abschiebung in ihre Heimatländer zu vollstrecken.
Der neue EU-Migrationspakt zeigt Wirkung
Das Verfahren basiert direkt auf dem verschärften Europäischen Migrations- und Asylpakt. Dieser ermöglicht unter anderem längere Haftzeiten für Personen, die irregulär in die Europäische Union einreisen, und priorisiert die schnelle Rückführung.
In der Praxis stoßen Abschiebungen jedoch regelmäßig auf enorme bürokratische Hindernisse. Oft weigern sich die Herkunftsländer, ihre Staatsbürger im Rahmen von Zwangsentsendungen zurückzunehmen.
Wie komplex die Lage ist, zeigen auch die offiziellen Zahlen von Eurostat. Im Jahr 2025 schob Spanien insgesamt 5.705 Personen ab – dazu zählten im Meer gerettete Migranten ebenso wie Menschen, die per Flugzeug eingereist waren und ihr Visum überzogen hatten. Demgegenüber stand im selben Jahr allein auf den Kanaren die Ankunft von 17.788 Migranten.
Neuntägige Überfahrt aus Gambia
Das betroffene Boot hatte eine neuntägige Reise über den Atlantik hinter sich. Nach Angaben der Rettungskräfte startete das Boot in der Ortschaft Barra in Gambia. An Bord befanden sich Staatsbürger aus Gambia, Guinea, der Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Senegal und Mali. Unter den 119 Passagieren reisten auch sieben Frauen und fünf Minderjährige.
